Bedeutung von Ferienfahrten für Kinder und Jugendliche
Die Sommercamps Lille Bodskov er Kreisjugendpflege bieten Kindern und Jugendlichen aus dem Landkreis Stade einen geschützten Ort, an dem sie Ferien erleben, Gemeinschaft erfahren und sich persönlich weiterentwickeln können.
In einer Zeit, in der junge Menschen durch Schule, Freizeitverpflichtungen und weltweite Krisen stark gefordert sind, schaffen die Camps Raum für Erholung, Entschleunigung und neue Erfahrungen. Sie ermöglichen Kindern und Jugendlichen, Freundschaften zu knüpfen, Abenteuer zu erleben und ihre eigenen Fähigkeiten und Selbstständigkeit zu entdecken.
Außerschulisches Lernen und persönliche Entwicklung
Die Sommercamps vermitteln Inhalte des informellen und formellen Lernens, die im Alltag und später im Berufsleben bedeutsam sind.
Kinder und Jugendliche entwickeln soziale Kompetenzen, lernen sich selbst zu reflektieren, üben Teamfähigkeit und stärken ihre Selbstständigkeit. Ergänzend dazu gibt es naturkundliche, technische, handwerkliche und kulturelle Angebote, die je nach Interesse der Teilnehmenden genutzt werden können.
Auch die Jugendleitenden erweitern ihre Fähigkeiten in Bereichen wie Organisation, Projektentwicklung, Fürsorge und Teamarbeit. Regelmäßige Fortbildungen unterstützen sie dabei.
Das Zeltlagergelände, die Ausstattung und der organisatorische Rahmen
Das Zeltlager liegt etwa 45 Kilometer hinter der deutsch-dänischen Grenze und wird seit 1964 auf einem vom Landkreis Stade gepachteten Gelände betrieben.
Jedes Jahr verbringen dort rund 350 Kinder und Jugendliche ihre Sommerferien. Sie werden von ca. 100 Jugendleitenden betreut. Die sechs Wochen Sommerferien sind in jeweils 14tägige Durchführungszeiträume aufgeteilt, so dass die unterschiedlichen Altersgruppen in ihren Peergruppen die Sommerferien verbringen können.
Die Teilnehmenden wohnen in vier Zeltdörfern mit jeweils bis zu 32 Kindern und Jugendlichen. Jedes Zeltdorf besteht aus fünf Großgruppenzelten für Teilnehmende und einem Zelt für Jugendleitende. Je Großgruppenzelt können bis zu acht Teilnehmende untergebracht werden. Die Zelte sind mit Feldbetten zum Schlafen und Kofferablagemöglichkeiten ausgestattet. Auch das Jugendleitenden-Team übernachtet in Großgruppenzelten.
Die Teilnehmenden können sich nach Ankunft ihre Zeltdörfer und Schlafzelte selber aussuchen. Eine Trennung von Mädchen und Jungen ist in den Schlafzelten vorgesehen. Bei Kindern und Jugendlichen mit ungeklärter Geschlechtsidentität ist die Belegung in den Schlafzelten eine Einzelfallentscheidung unter Beteiligung der jungen Menschen.
Das Zeltlagergelände verfügt über ein Hauptgebäude, ein umfunktioniertes Scheunengebäude, ein Sanitärgebäude und einen Kiosk.
Im Hauptgebäude befindet sich ein Büro, das zur Erhaltung der Zeltlagerinfrastruktur dient. Weiterhin befindet sich hier eine Werkstatt für die Erhaltung der Infrastruktur des Zeltlagers. Weitere Räume im Haus, dienen als Besprechungsräume für das Jugendleitenden-Team und für die Kleingruppenarbeit.
Im Scheunengebäude befindet sich eine voll ausgestattete Küche, in der für bis zu 160 Personen Essen zubereitet werden kann. Hier befindet sich auch ein großer Essraum und ein Anbau, wo auf Bierzeltgarnieturen die Mahlzeiten eingenommen werden. Im Anbau befindet sich auch die „Abwaschstraße“, in der die Teilnehmenden und Jugendleitenden nach den Mahlzeiten ihr Geschirr per Hand spülen.
Die Räume des Sanitärgebäude sind nach Geschlechtern getrennt. Es gibt jeweils fünf abschließbare Duschkabinen, sowie mehrere Waschplätze, Urinale und abschließbare Toilettenkabinen. Zusätzlich ist ein separates Badezimmer vorhanden.
Im Kiosk können Süßigkeiten, Snacks, süße Getränke, Postkarten und Merchandise zum Selbstkostenpreis erworben werden. Der Kiosk befindet sich in Trägerschaft des Fördervereins Lille Bodskov e. V. Der Verein besteht aus aktiven und ehemaligen Jugendleitenden und Freunden des Zeltlagers.
Auf dem Zeltlagergelände befinden sich eine Showbühne, zwei Basketballkörbe, ein Beachvolleyball-Feld und ein Bolzplatz. Die Ostsee und ein Steinstrand befinden sich etwa 40 Meter vom Zeltplatzgelände entfernt und bieten vielfältige Möglichkeiten für Wassersport und Freizeitaktivitäten.
Zielgruppe und Altersstruktur
Die Sommercamps richten sich an Kinder und Jugendliche im Alter von sieben bis sechzehn Jahren. Sie sind in drei Altersgruppen organisiert. Die Einteilung in Altersgruppen berücksichtigt die unterschiedlichen Entwicklungsstände. Die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen verläuft individuell, weshalb die Altersbeschreibungen für die meisten, aber nicht für alle Kinder und Jugendlichen gelten.
Die Altersgruppe der 7- bis 11-Jährigen benötigt viel Zuwendung und Fürsorge. Die Tage müssen klar strukturiert sein, und die Kinder benötigen sowohl ein vielfältiges Programm als auch Rückzugsmöglichkeiten, um in kleinen Gruppen zu spielen, zu basteln oder vorgelesen zu bekommen.
Die Altersgruppe der 10- bis 13-Jährigen befindet sich häufig bereits in der Pubertät. Die Jugendleitenden werden in einem Spannungsfeld aus abgelehnter Autorität und aufsuchender Orientierung wahrgenommen. Durch den geringeren Altersabstand haben die Jugendleitenden oft einen leichteren Zugang zu den Kindern. Das Programm ist geprägt von actionreichen Elementen und Rückzugsmöglichkeiten für Gespräche mit Gleichaltrigen.
Die Altersgruppe der 13- bis 16-Jährigen benötigt weniger strukturierte Vorgaben. Für sie ist es wichtig, Raum für umfassende Mitgestaltung zu erhalten. Während Beteiligung in allen Altersgruppen vorgesehen ist, wird sie in dieser Gruppe vorausgesetzt. Neben Gruppenaktivitäten spielt die Arbeit in kleinen Gruppen eine zentrale Rolle. Die Jugendlichen können deutlich mehr Verantwortung übernehmen und Aufgaben eigenständig ausführen.
Kinder und Jugendliche, die nicht über das entsprechende Alter verfügen, können nicht in dem Zeltlager der anderen Altersgruppen mitfahren. Eine einzige Ausnahme besteht für Kinder mit nachweislichen Entwicklungsverzögerungen. Diese Kinder und Jugendliche können nach individueller Absprache mit der Kreisjugendpflege in einer jüngeren Alterskohorte mitfahren.
Kinder mit Behinderungen oder besonderem Betreuungsbedarf können nach vorheriger Beratung mit der Kreisjugendpflege teilnehmen, gegebenenfalls mit einer zusätzlichen Betreuungskraft.
Struktur des ehrenamtlichen Jugendleitenden-Teams
In jedem Sommercamp sind durchschnittlich 32 ehrenamtliche Jugendleitende im Einsatz. Hierbei handelt es sich um junge Menschen ab 16 Jahren, die eine gültige Juleica und eine Erste-Hilfe-Ausbildung besitzen. In Ausnahmefällen können Ehrenamtliche ohne Juleica in den Funktionsbereichen Küche und Technik eingesetzt werden.
Um die Gültigkeit der Juleica aufrecht zu erhalten, müssen alle Jugendleitenden regelmäßig Fortbildungen besuchen.
Das Jugendleitenden-Team übernimmt sowohl pädagogische Aufgaben als auch organisatorische Funktionen wie Lagerleitung, Wirtschaftswesen, Büro, Technik, Küche oder Dorfbetreuung. Alle Jugendleitende sind festgeschriebenen Aufgabenbereichen zugeteilt.
Unabhängig von der Funktion, sind alle Jugendleitende aufsichtspflichtig gegenüber den Teilnehmenden. Ein Nachtwache-Team ist jede Nacht im Einsatz und sorgt dafür, dass auch nachts jederzeit Ansprechpersonen erreichbar sind.
Die Jugendleitenden führen die Sommercamps weitgehend selbstständig durch und werden dabei von der Kreisjugendpflege fachlich begleitet. Für ihre Arbeit erhalten sie eine Aufwandsentschädigung.
Teilhabe und Zugangsmöglichkeiten
Ein wichtiges Ziel der Sommercamps ist, möglichst vielen Kindern und Jugendlichen die Teilnahme zu ermöglichen. Dabei werden geografische, finanzielle, sprachliche, religiöse und gesundheitliche Aspekte berücksichtigt. Soweit möglich werden nach Rücksprache mit den Personensorgeberechtigten individuelle Lösungen erarbeitet.
Die Teilnahme ist auf Kinder und Jugendliche mit erstem Wohnsitz im Landkreis Stade beschränkt. Der Teilnahmebetrag ist bereits durch Finanzmittel des Landkreis Stade für alle Teilnehmenden reduziert, um jungen Menschen Ferienfreizeiten zu ermöglichen und Familien in der Ferienzeit zu entlasten. Familien mit geringem Einkommen können weitere Förderungen beantragen.
Eine Teilnahme im vollständigen Durchführungszeitraum des Zeltlagers wird vorausgesetzt. Bei akuten Erkrankungen des Kindes oder Jugendlichen kann eine spätere Selbstanreise innerhalb 48 Stunden ermöglicht werden.
Die Sommercamps sind konfessionsungebunden, können jedoch keine halal- oder koschere Ernährung anbieten. Stattdessen stehen vegane, vegetarische oder schweinefleischlose Alternativen zur Verfügung. Bei Allergien, Unverträglichkeiten oder ernährungsbezogenen Krankheiten wird nach Rücksprache und Möglichkeit Rücksicht genommen.
Kinder und Jugendliche mit körperlichen Einschränkungen können teilnehmen, jedoch ist das Gelände nicht barrierefrei.
Für Kinder und Jugendliche mit neurodivergenten oder geistigen Einschränkungen erfolgt eine Einzelfallprüfung.
Sollte eine Zusatzbetreuung notwendig sein, kann diese in Kooperation mit der Lebenshilfe Stade organisiert und durch die Pflegekasse finanziert werden. Grundvoraussetzung ist mindestens ein anerkannter Pflegegrad 2 des Kindes oder Jugendlichen.
Programm und Freizeitgestaltung
Das Rahmenprogramm der Sommercamps ist vielfältig und altersgerecht gestaltet. Es umfasst Abenteuerspiele, Mottotage, Ausflüge, Showprogramme und Hobbygruppen aus den Bereichen Kreativität, Musik, Technik und Sport.
Bei gutem Wetter werden Badezeiten angeboten, bei denen Kanus und Stand-Up-Paddling-Boards genutzt werden können. Das Baden ist ausschließlich unter Aufsicht der Jugendleitenden erlaubt und folgt einem eigenen Sicherheitskonzept.
Die Freizeitmöglichkeiten auf dem Gelände reichen von Beachvolleyball und Basketball über Bastelmaterial und Gesellschaftsspiele bis hin zu einer Showbühne und einem Bolzplatz.
Verpflegung und Küchenkonzept
Die Verpflegung besteht aus drei täglichen Mahlzeiten, die von einem ehrenamtlichen Koch- und Küchenteam zubereitet werden. Außerhalb der Mahlzeiten werden Obst, Wasser und Tee bereitgehalten.
Essenswünsche der Teilnehmenden fließen in die Umsetzung der Mahlzeiten.
Das Team arbeitet nach einem für die Zeltlager entwickelten Küchenhandbuch, das hohe hygienische Standards sicherstellt, eine vollwertige Ernährung sichert und auf besondere Ernährungsbedürfnisse Rücksicht nimmt.
Sicherheit und Erreichbarkeit
Die Sicherheit aller Personen hat im Zeltlager höchste Priorität. Für die Sommercamps gibt es ein eigenständiges Sicherheitskonzept, welche die Präventiven und akuten Handlungsvorgaben für das Jugendleitenden-Team festlegt. Alle Jugendleitenden sind verpflichtet dem Sicherheitskonzept Folge zu leisten. Dieses Konzept wird bei der jährlichen Vorbereitung erläutert und regelmäßig überprüft.
Die Kreisjugendpflege steht im ständigen Kontakt zum Jugendleitenden-Team und ist während der Sommercamps 24 Stunden am Tag für sie erreichbar. Dadurch wird die Handlungssicherheit der Jugendleitenden vor Ort sichergestellt.
Personensorgeberechtigte können mit der Kreisjugendpflege während der regulären Öffnungszeiten des Amtes Jugend und Familie in Kontakt treten.
Die Sommercamps sind für Personensorgeberechtigte durchgehend telefonisch und per E-Mail erreichbar.
Kinderschutz und Kindeswohl
Ein gelebtes Kinderschutzkonzept bildet die Grundlage für das sichere und respektvolle Zusammenleben in den Sommercamps. Die Teilnehmenden werden altersgerecht über ihre Rechte, Ansprechpersonen und Schutzmechanismen informiert. Das Kinderschutzkonzept ist fest im Lageralltag verankert und schafft eine Atmosphäre, in der sich die Teilnehmenden sicher fühlen, Vertrauen entwickeln und sich frei entfalten können.
Im Rahmen des Kinderschutzkonzeptes werden die Jugendleitenden jährlich über Verhaltensregeln im Rahmen der „Selbstverpflichtung und Erklärung zum Schutz der anvertrauten Kinder und Jugendlichen“ informiert, es werden Handlungsvorgaben erörtert und die Selbstverpflichtung muss jährlich mit einer Unterschrift anerkannt werden.
Jugendleitende ab 18 Jahren müssen alle 5 Jahre ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen. Zusätzlich werden sie jährlich zu Themen im Rahmen des Kinderschutzes geschult.
Beteiligung als pädagogisches Grundprinzip
Die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen ist gesetzlich gefordert und ein zentraler Bestandteil der pädagogischen Arbeit in den Sommercamps. Die Teilnehmenden werden aktiv in Entscheidungen einbezogen und gestalten das Lagerleben mit. Die Jugendleitenden setzt verschiedene Methoden ein, um die Teilnehmenden verbindlich einzubeziehen., hierzu werden sie regelmäßig fortgebildet.
Auch die Jugendleitenden werden durch die Kreisjugendpflege im Prozess der Organisation und Umsetzung der Sommercamps beteiligt und zur eigenständigen Gestaltung und Umsetzung herangeführt. Die hauptamtlichen Fachkräfte der Kreisjugendpflege sind vorrangig beratend und begleitend tätig. Diese Beteiligung der Jugendleitenden ist Grundlage für eine große Identifikation mit dem Zeltlager und ihrer selbständigen Arbeitsweise.
Qualitätssicherung und Weiterentwicklung durch Evaluation
Die Sommercamps Lille Bodskov finden im Rahmen der Kooperation der Jugendpflegen und Jugendringe im Landkreis Stade statt. Hierzu zählen die Jugendpflegen der Hansestädte Stade und Buxtehude, die Kreisjugendpflege, der Kreisjugendring Stade e.V. und der Stadtjugendring Buxtehude e.V.
Die Produkte dieser Kooperation werden von pädagogischen Fachkräften weiterentwickelt und den aktuellen Lebenslagen der Kinder und Jugendlichen, sowie den aktuellen gesetzlichen Bestimmungen angepasst. Die Maßnahmen unterliegen damit einem fortlaufenden Veränderungsprozess.
Grundlage für die Evaluation sind Befragungen bei den Teilnehmenden der Freizeitmaßnahmen, sowie die Nachbereitungsmaßnahmen mit den Jugendleitenden. Die Ergebnisse der Vorjahre stehen für die Vorbereitung der kommenden Maßnahme zur Verfügung. So bleiben die Sommercamps ein zeitgemäßes, sicheres und pädagogisch wertvolles Angebot für Kinder und Jugendliche.
Datenschutz
Die erhobenen Daten der Teilnehmenden dienen ausschließlich der Durchführung der Sommercamps und werden nicht an Dritte weitergegeben. Fotos und Videos werden anonymisiert veröffentlicht und auf Wunsch gelöscht.